Preisträger 2010

 

Schelling Architektur-Preis 2010
Wang Shu & Lu Wenyu /Amateur Architecture Studio

„Wang und Lu erkennen die Notwendigkeit einer philosophischen und konzeptiven Begründung der Architektur, die ihren Ursprung in der Substanz des Bauens finden muss.“

Im Schatten der spektakulären Manifeste der neuen Architektur Chinas fordert Amateur Architecture Studio eine Rückbesinnung auf die historische Tradition chinesischer Architektur in ihrem Dialog mit Handwerk und Landschaft. Das Studio arbeitet bewußt mit lokalen Ressourcen und Materialien und schöpft daraus eine poetische und atmosphärische Kraft.
Jenseits der globalen Konjunktur eitler Ikonen landet die Architektur wieder dort, wo sie immer begonnen hat: bei der Nutzung lokaler Ressourcen und der Aufnahme lokaler Traditionen. Diese Haltung ist somit ein Vorbild für jede andere Region der Welt. Es mag eine Paradoxie sein, dass im Reich jener Weltmacht, die heute eine globale Entwicklung beschleunigt, eine derart kraftvolle Gegenposition des zeitgenössischen Lokalen formuliert wird. Dietmar Steiner

>>> Amateur Architecture Studio


Schelling Architekturtheorie-Preis 2010
Jean Louis Cohen

„Er thematisiert Baukultur als Medium der Selbstverständigung jenseits nationaler Traditionen.“

Das Werk des französischen Architekten, Forschers, Wissenschaftlers und Kurators umfaßt Publikationen und Ausstellungen, die wesentlich zum Verständnis der internationalen Verbindungen zwischen maßgeblichen Architekten der Moderne und ihrer Wirksamkeit beigetragen haben. Zwischen akribischer Forschung und anschaulicher Darstellung der Ergebnisse in Ausstellungen und umfassenden Publikationen gelingt es Jean-Louis Cohen wie kaum einem anderen Wissenschaftler im Bereich der Architektur- und Planungsgeschichte, ein breites Publikum anzusprechen und dabei zugleich ebenso für die Qualität der vom Menschen gestalteten Umwelt wie auch gegen deren Gefährdung im Wechsel der Generationen und der Epochen die Stimme zu erheben. Werner Durth


Medaillen:

Tom Heatherwick
Heatherwicks Zugang zur Architektur ist ungewöhnlich, denn zum einen wird die handwerkliche Bearbeitung von Materialien betont, zum anderen legt er Wert auf Prototypen sowie Herstellungsprozesse. Darüber hinaus besitzt er offensichtlich die Gabe, Menschen zu begeistern und erfolgreich die verschiedenen Talente der vielen Mitarbeiter zu nutzen, um – in seinen Worten – “Dinge entstehen zu lassen”.

Kaschka Knapkiewicz & Axel Fickert
Die Arbeiten von Katharina Knapkiewicz und Alexander Fickert zeichnen sich durch einen ideologiefreien und daher wohltuend entspannten Umgang mit dem Wohnungsbauerbe der Moderne aus. Nicht der neutrale Wohnraum wird angeboten, sondern ein Raum, der die unentdeckten Wohnpotentiale seiner Bewohner wecken möchte.
Im Mittelpunkt steht eine Vorstellung des architektonischen Raums, in dem, ähnlich wie im englischen Landschaftsgarten, ein Ausgleich gesucht wird zwischen der Wahrnehmung des sich bewegenden Subjektes und einer hintergründigen und hoch differenzierten geometrischen Ordnung.