Preisträger 1992

 

Schelling Architektur-Preis 1992
Coop Himmelblau | Helmut Swiczinsky & Wolf D. Prix

 „Mit ihren visionären Skizzen wiesen die beiden schon früh einen Weg zum Dekonstruktivismus im Bauen.“

Coop Himmelblau sind ein seelischer Ausnahmezustand, der seit über zwanzig Jahren andauert. Es ist der Versuch, sich den Boden unter den Füßen wegzuziehen, um wenigstens mit dem Kopf durch die Wand zu kommen. (...) Aus Coops einstiger Provokationsästhetik ist heute eine international anerkannte Modellarchitektur geworden. (...) Was für die Moderne einst Collage war, spitzen Coop zur Karambolage zu. Ihre Ästhetik des Unfalls bildet gebaute Schrecksekunden; den Schock des Aufpralls kultivieren sie bis ins Detail. Deshalb lassen sich die Häuser von Coop Himmelblau ganz unmetaphorisch als urbane Resonanzkörper bezeichnen. Sie reflektieren und verstärken die gewaltigen Überlagerungseffekte der großen Städte. (...) Anders als viele ihrer „dekonstruktivistischen“ Mitstreiter sind sie Praktiker ohne theoretisches Konzept. Die Schriften Jacques Derridas etwa kennen Prix und Swiczinsky nur vom Hörensagen. Bei ihnen entsteht die gebaute Abstraktion aus ungetrübter eigener Anschauung heraus. Sie waren die Ersten, die das Bauen aus den technischen und formalen Zwängen der Architekturgeschichte befreit haben. Obwohl sie in aller Welt Mitstreiter und Nachahmer gefunden haben: Sie sind noch heute mit Abstand die Besten ihrer Zunft. Michael Mönninger

>>> www.coop-himmelblau.at


Schelling Architekturtheorie-Preis 1992
Werner Durth

„Träume, Leiden und Verflechtungen von Architekten jenseits der sichtbaren Erfolge sind sein Thema.“

Werner Durth kann für sich reklamieren, nicht nur als einer der ersten, sondern auch mit einer ganz besonderen und ausgesprochen eigenständigen Methodik die „biographischen Verflechtungen“ der deutschen Architektenschaft in unserem Jahrhundert transparent gemacht zu haben. (...) Wie etwa bestimmte Architekten im bereits zusammenbrechenden Nationalsozialismus unbelastet von moralischen Erwägungen den Wiederaufbau deutscher Städte planten und dann auch im jungen Deutschland des Wiederaufbaus schnell und kontinuierlich Fuß faßten, ist ein gegen Widerstände erarbeitetes Wissen, das wir in erster Linie Werner Durth verdanken. (...) Sein Erkenntnisinteresse gilt nicht dem traditionellen oder gar bildungsbürgerlich abgesicherten „Schönen, Wahren und Guten“, sondern der architekturpolitischen Verpflichtung, der jene Achitekten ausgesetzt waren, sowie ihren Reaktionen auf eine solche Herausforderung. (...) Mithin ist es konsequent, daß sich Durth nach der Erforschung der persönlichen Schicksale in einem zweiten Schritt den objektivierten Ergebnissen solcher biographischen Verhaltensweisen architekturhistografisch zugewendet hat. (...) Insofern hat Durth der Architekturgeschichtsschreibung aufgrund seines interdisziplinären Forschungsansatzes ein Analysemodell geliefert, das sich zwar speziell mit der deutschen Situationen beschäftigt, sich aber sowohl in seiner Methodik als auch in der Form seines deutlich formulierten moralischen Engagements auf andere europäische Gegebenheiten übertragen ließe. Vittorio Magnago Lampugnani

>>>  www.gta.architektur.tu-darmstadt.de