Preisträger 1998

 

Schelling Architektur-Preis 1998
Sauerbruch Hutton; Busse & Geitner

„Geteilter Preis – in der Entscheidung zwischen heiterem Experiment und strenger Ordnung der Formen.“

Busse & Geitner  Daß Architektur über die Bilder wirkt, die sie transportiert, ist eine Tatsache, die lange übersehen, später als Freibrief für inhaltsleere Zitierspiele und Exhibitionismen missbraucht worden ist. Solchen Überreaktionen setzen Volker Busse und Andreas Geitner einen ebenso intelligenten wie verantwortungsvollen Umgang mit der architektonischen Form entgegen. Sie ist unablösbarer Bestandteil der Substanz und des konstruktiven Aufbaus. Beharrliche Arbeit am Entwurf präzisiert die Bilder bis zur scheinbaren Selbstverständlichkeit: bis die Fragen nach Benutzung, Material, Kontext und Symbolik in einer klaren und und einheitlichen Antwort aufgehen. Die kontrollierte Abstraktion arbeitet gegen jede einseitige Verpflichtung auf Vergangenheit oder Zukunft und macht – zusammen mit den funktionalen Qualitäten und der sorgfältig gewählten und ausgeführten Materialität – die Architektur ganz und gar gegenwärtig. Vittorio Magnago Lampugnani

>>> www.busse-geitner.de

Sauerbruch Hutton Architekten  Neben der Wiedergewinnung der Geschichte und der Reparatur zerstörter Strukturen bilden das Weiterbauen und die Neuinterpretation der vorhandenen Städte die wichtigste Herausforderung der Gegenwartsarchitektur. Sauerbruch Hutton kamen mit ihrem kraftvollen Solitär-Ensemble für die Berliner GSW-Zentrale mitten in die Anfangsphase der Berliner Gründerzeit, als es um die Rekonstruktion des Stadtgrundrisses ging. Sie mussten fast fünf Jahre warten, bis die Zeit für ihre vertikalisierende Neuinterpretation jenes Bereiches an der Kochstraße reif war, der als Teil eines „Städtebandes“ einen völligen Bruch mit dem Vorkriegs-Berlin darstellen sollte. Ihr Entwurf akzeptiert den Stadtgrundriß, aber auch den Collage-Charakter des neueren Bestandes, der mit neuer Dichte gefüllt wird und in der Vertikalen eine spannungsvolle bauplastische Silhouette erzeugt. Dabei verwenden sie energiesparende Techniken. So wird ihr Entwurf zum Musterbeispiel einer ökologischen Architektur, die nicht auf die Auflösung der Stadt, sonden auf ihre Stärkung und Modernisierung zielt. Michael Mönninger

>>> www.sauerbruchhutton.de


Schelling Architekturtheorie-Preis 1998
Stanislaus von Moos

„Haupt- und Nebenwege der Moderne spiegeln sich in der Geschichte der Architektur.“

Stanislaus von Moos begann seine Karriere als Kunstwissenschaftler mit einer aufsehenerregenden Publikation über die Entstehungsgeschichte des italienischen Renaissance-Palastes, womit er gleichzeitig das Interesse auf einen neuen Themenzusammenhang lenkte, die „politische Ikonographie“. Bald fasste er Interesse an der Architektur der Moderne. Seine Monographie über Le Corbusier gehört zu den Standardwerken der Le Corbusier-Literatur. Als einer der wenigen Kunsthistoriker hat er sich bald in der Architekturentwicklung der Gegenwart engagiert. Sein Buch über Robert Venturi war eine der ersten Stellungnahmen zur Postmoderne. Bedeutsam wie seine Publikationen war seine mehrjährige Tätigkeit als Herausgeber der Schweizer Architekturzeitschrift Archithese, die er gegründet hat. Stanislaus von Moos gehört zu den einflußreichsten Architekturtheoretikern der Gegenwart. Heinrich Klotz